Psychopharmaka sicher und sanft absetzen
Der evidenzbasierte Weg
Die Entscheidung, ein Antidepressivum, Neuroleptikum oder anderes Psychopharmakon zu reduzieren oder ganz abzusetzen, ist ein bedeutender Schritt. Vielleicht haben Sie sich stabilisiert, die Nebenwirkungen belasten Sie oder Ihre Lebensumstände haben sich verändert.
Als Ihr Psychiater unterstütze ich Sie aktiv und sicher bei diesem Prozess. Dabei arbeite ich nach den neuesten internationalen medizinischen Standards, insbesondere den Maudsley Deprescribing Guidelines, um Ihnen ein Absetzen mit minimalen Entzugssymptomen zu ermöglichen.
Warum das „klassische“ Absetzen oft scheitert
Viele Patienten haben in der Vergangenheit versucht, Medikamente in grossen, gleichmässigen Schritten zu reduzieren (z. B. von 20 mg auf 10 mg, dann auf 0 mg) – und erlitten schwere Entzugssymptome. Oft wird dies fälschlicherweise als „Rückfall“ der ursprünglichen Erkrankung gedeutet.
Die moderne Neurobiologie zeigt jedoch: Unser Gehirn passt sich über Monate oder Jahre an die Medikamente an. Wenn wir die Dosis zu schnell senken, gerät das System im Gehirn in ein biologisches Ungleichgewicht.
Unsere Methode: Hyperbolische Reduktion und „Crossing Zero“
Um Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten, nutzen wir in meiner Praxis ein hyperbolisches Absetzschema. Das bedeutet: Je kleiner die verbleibende Dosis wird, desto kleiner müssen die Reduktionsschritte sein.
- Das Prinzip der Rezeptorbelegung: Die ersten Reduktionsschritte bei einer hohen Dosis verträgt das Gehirn meist gut. Doch gerade im Bereich der minimalen Dosen bewirkt selbst eine winzige Änderung der Milligramm-Zahl einen riesigen Effekt an den Rezeptoren im Gehirn.
- „Crossing Zero“ (Der Schritt auf Null): Der letzte Schritt von einer minimalen Restdosis auf Null ist neurobiologisch der sensibelste Moment. Wir reduzieren das Medikament daher schrittweise bis auf Kleinstmengen.
So läuft die Begleitung in meiner Praxis ab:
- Individuelles Tempo: Es gibt keinen festen Zeitplan. Ihr Gehirn bestimmt das Tempo. Wir reduzieren die Dosis schrittweise (z.B. um 10 % der jeweils letzten Dosis alle 2 bis 4 Wochen) und passen den Plan jederzeit an Ihr Wohlbefinden an.
- Engmaschiges Monitoring: Wir bleiben während des gesamten Prozesses in engem Kontakt, um Absetzsymptome (wie Schlafstörungen, emotionale Dünnhäutigkeit, Schwindel oder sogenannte „Brain Zaps“) sofort abzufangen.
- Sicherheit geht vor: Sollten die Symptome zu stark werden, gehen wir einfach einen Schritt zurück auf die letzte stabile Dosis. Absetzen ist kein Wettrennen.
Gemeinsam ans Ziel: Wenn Sie das Gefühl haben, bereit für eine Reduktion Ihrer Medikation zu sein, sprechen Sie mich an. Gemeinsam erstellen wir einen sicheren, auf Sie massgeschneiderten Absetzplan.